Wachsen oder schrumpfen?

„Wachsen Sie noch oder schrumpfen Sie schon?“ Mit dieser provokanten Frage macht eine jetzt veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf.

Die Wissenschaftler haben im Rahmen der Untersuchung die Bevölkerungsdaten sowie weitere sozio-ökonomische Faktoren von 2008 bis 2013 unter die Lupe genommen: „Wachsen oder schrumpfen?“ lautet die Titelfrage. Wer das für seine Einheitsgemeinde oder Verwaltungsgemeinschaft wissen will, kann sie auf der interaktiven Karte suchen oder die ausführliche Tabelle (587 KB) hier downloaden.

Schrumpfung ist das Gegenteil von Wachstum. Wachstum wiederum bedeutet Entwicklung, lautet die vorherrschende Meinung. Selbst Stagnation wird so als Rückschritt oder Problem betrachtet. Dabei gibt es längst eine leidenschaftliche Debatte darüber, ob Wohlstand auch ohne Wirtschaftswachstum möglich ist. Wachstumskritiker fordern deshalb, Wohlstand und Umweltverbrauch zu entkoppeln und stattdessen auf Lebensqualität, qualitatives Wachstum und nachhaltigen Wohlstand zu setzen.

Auch im Hinblick auf die Einwohnerzahl ist das Ende des stetigen Wachstums schon jetzt absehbar. Denn trotz der hohen Zuwanderung aus dem Ausland zeigt die aktuelle Prognose bis 2035, dass die Bevölkerung nicht nur in Ostdeutschland und in peripheren Lagen, sondern in allen deutschen Regionen langfristig zurückgehen wird. Weil es eben nach wie vor mehr Sterbefälle als Geburten gibt und die Zuwanderung in dieser Größenordnung auf Dauer eher unwahrscheinlich ist.

„Sowohl Schrumpfung als auch Wachstum erfordern angemessene Anpassungsstrategien, d.h. eine Anpassung von Infrastrukturen, von Verwaltungs- und Organisationsstrukturen und von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Es ist verständlich, dass vor der Fülle der Herausforderungen und angesichts der begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen für diese Anpassung Ängste entstehen. Umso wichtiger ist es, dass Wachstum und Schrumpfung nicht als Erfolg und Misserfolg der einzelnen Kommunen und Regionen betrachtet wird, sondern als die zwei Seiten einer Medaille, nämlich von Umverteilung von Ressourcen und Kapazitäten im Raum,“ erklärt die Autorin der Studie, Antonia Milbert auf Seite 21.

Ebenso wie Schrumpfung muss auch Wachstum geordnet und gesteuert erfolgen, um den ökologischen und sozialen Ansprüchen gerecht zu werden. Regional betrachtet gibt es immer ein Nebeneinander von Wachstum und Schrumpfung, weshalb beide Entwicklungen auch nicht voneinander getrennt betrachtet werden können. Durch die Studie werden die unterschiedlichen Problemlagen der Kommunen vergleichbar und Ansatzpunkte sichtbar, um sich interkommunal auszutauschen und zusammenzuarbeiten.


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