Die neue Landwirtschaft

Massentierhaltung, Monokulturen und Überdüngung. Wie soll die Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Biolandwirtschaft könnte eine Alternative sein.

Im Rest der Welt geht es aber um den Kampf zwischen den Kleinbauern und internationalen Konzernen. Ernährungssouveränität lautet das Schlüsselwort. Also das Recht der Menschen, selber zu bestimmen, wie ihre Nahrung produziert und verteilt werden soll. Der Begriff wurde 1996 von der internationalen Kleinbauernorganisation La Via Campesina entwickelt – als Kritik an den internationalen Handelsregeln und der globalen Industrialisierung der Landwirtschaft.

Ernährungssouveränität fordert dagegen die Entwicklung lokaler und regionaler Selbstversorgung und möglichst enge Beziehungen zwischen Produzenten und Verbrauchern, weshalb das Selbstbestimmungsrecht längst auch in unseren reichen Industriestaaten angekommen ist.

Bereits selbst zu kochen ist für junge Leute heutzutage ein Akt der Emanzipation und immer mehr wollen wissen, wo ihre Nahrung herkommt oder unter welchen Bedingungen sie gewachsen ist. Vegane oder vegetarische, faire, lokale und biologische Küche sowie die Verwertung von vermeintlichen Abfall (foodsharing.de, mundraub.org, pflück.org) werden zum Symbol. Essen wird zu einem politischen Akt: Global denken, lokal essen!

Für Ernährungssouveränität engagieren sich zum Beispiel Biokisten-Abonnements, Schul- oder Nachbarschaftsgärten, Saatguttauschbörsen, Lebensmittel-Kooperativen und die Solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi. Hier tragen mehrere Privat-Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Das Risiko wird geteilt, der Handel bleibt außen vor. Auch gemeinsame Feld- und Erntearbeit gehört auf vielen Solidarhöfen zum Programm. Die Entstehung der solidarischen Landwirtschaft reicht in die 1980er Jahre zurück. In den USA wird das Modell der Consumer Supported Agriculture auf ca. 6500 Höfen angewandt, in Frankreich sind es etwa 1000. Laut Netzwerk Solidarische Landwirtschaft gibt es in Deutschland aktuell 87 Solawi-Betriebe. Tendenz steigend.

Der damit verbundene New Local Deal (lokales Abkommen) zwischen Produzent und Konsument ist Unternehmensgegenstand der Regionalwert AG, der Bürgeraktiengesellschaft in der Region Freiburg:

„Mit dem Kauf von Aktien übernehmen Bürger der Region Mitverantwortung für ihre Region. Das Geld investieren wir in ökologisch arbeitende Betriebe entlang der Wertschöpfungskette: vom Feld bis auf den Tisch. Mittlerweile übernehmen auch andere Regionen Deutschlands und Europas das Konzept“ erklärt der Gründer Christian Hiß auf der Webseite.

Die bis dato 520 Aktionäre konnten 16 Biobetriebe (mehrere Bio-Höfe und -Läden, eine Gärtnerei, zwei Caterer, ein Naturkost-Großhändler sowie ein Weingut) teilweise oder ganz finanzieren und so die Vielfalt in der Region erhalten und das Nachfolgeproblem vieler Bauern lösen. Lesenswert sind auch die 10 Thesen fürs Umdenken.


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