Die Freaks

Wie entstehen Neuerungen? Wenn man auf die alten Regeln (nicht Gesetze!) pfeift. Das gilt für das Leben auf dem Land (Soziale Innovationen) genauso wie für Start-ups. Junge, noch nicht etablierte Unternehmen müssen ihr Potential und ihre Kreativität mit aller Konsequenz entfalten. Nur so können sie mit ihrer Geschäftsidee erfolgreich sein. Die „konzept-kreative Gründung“ wird von Prof. Günter Faltin Entrepreneurship (von französisch entreprendre = unternehmen) in Abgrenzung zur Betriebswirtschaftslehre genannt.

Als Vorbilder in der komplexen Welt gelten jetzt Freaks und Querdenker: Unangepasste Persönlichkeiten mit besonderen Erfahrungen und Talenten, die neue Projektideen wagen, Unternehmen auf Erfolgskurs bringen (Studie Return on Leadership von McKinsey) und als Pioniere auf dem Land eigentlich jede Menge Freiräume und echte Herausforderungen finden könnten.

Doch das deutsche Silicon Valley ist nach wie vor Berlin, wo schräge Typen an der Tagesordnung sind. Laut Deutschem Start-up Monitor 2015 schätzen etwa ein Drittel aller Gründer an der Spree den „richtigen Mix aus Inspiration, Kreativität, Abenteuer und Netzwerk.“ In Deutschland soll es insgesamt rund 6.000 Start-ups geben, sagt der Bundesverband Deutsche Startups.

Um den Unternehmergeist auch abseits von Berlin zu fördern, sind die Orientierung an guten Vorbildern („Kapieren, nicht Kopieren“), die Verankerung und Vernetzung der Gründer in der Region (Gründerszene und Gründerökosystem) und neuerdings die Teilhabe an den Gründungsaktivitäten wichtige Methoden. Eine Studie zur Zukunft der Gründungsförderung hat das bereits 2013 auf Seite 91 gut beschrieben:

„Während sich die (Vor-)Gründungsphase in der Vergangenheit als eher anonymer, bisweilen einsamer Prozess vollzog, so ist sie mittlerweile für jedermann erlebbar. Deutlich mehr Menschen werden Teil von Gründungen, sogar ohne eigene Gründungsabsicht. Von der kreativen Unterstützung bei der Entwicklung eines innovativen Produktes bis hin zur Bereitstellung gründungsrelevanter Ressourcen wie Kapital oder Know-how. Den Beteiligungs- und (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt.“

Der klassischen Gründungsförderung macht das viel Arbeit. Denn Gründermessen, Businesspläne und Beratersprechstunden sind ein alter Hut, dagegen liegen Barcamps (offene Tagung), Slams (freier Ideenaustausch), Prototypenparties, Labore für Entrepreneurship, PechaKuchas, Startup Weekends und Festivals im Trend und können wichtige Impulse auslösen. Die Neueinsteiger kommen so miteinander und mit anderen Unternehmern, Kunden/Nutzern/Interessierten ins Gespräch, können Ideen weiterentwickeln, Kontakte knüpfen, Geschäftsmodelle quer- und längsdenken oder sogar gemeinsam Produkte entwickeln (Co-Creation) und Aufgaben gemeinsam lösen (Crowdsourcing). Kreative Räume für Gründer und Coworking auf dem Land bieten beispielsweise die Grüne Werkstatt Wendland (bekannt durch die Anti-Atomkraft-Bewegung) mit dem Kreativ Labor in der niedersächsischen Kreisstadt Lüchow (9.481 Einwohner), der CoworkingSpace wexelwirken in Kusterdingen (8.471 Einwohner) im Landkreis Tübingen, das Kreativzentrum EMMA in Pforzheim (122.247 Einwohner) oder die Gründervilla in Kempten (66.947 Einwohner) im Allgäu.

Die neue Gründerszene gilt als Vorbild für New Work, die neue Arbeitswelt. Bereits in den 1980er Jahren hat der irische Wirtschaftssoziologe Charles Handy das Paradigma der Wissensgesellschaft beschrieben. Denn gut ausgebildete, selbstständige Menschen brauchen niemanden, der sie „führt“ und ihnen sagt, was sie zu tun haben, sondern jemanden, der hilft, ihr Können und ihre Talente optimal zu entfalten. Wer sich vom klassischen Angestelltenverhältnis verabschieden und sein eigenes Ding machen will, findet bei der Entrepreneurin Catharina Bruns Inspiration für die neue Selbstständigkeit. Ihr Projekt Work is not a job! ist das Denkprinzip und der Lebensstil einer neuen Generation von (Selber-)Machern („Maker“). Dank Laptop und Internetanschluss sind heute die Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und die Wirtschaft (Netzwerkökonomie) für sich und zum Wohle der Welt zu nutzen, so vielfältig wie noch nie – auch ohne viel Startkapital, Vitamin B oder spezielle Abschlüsse.

Ein Freak ist der österreichische Unternehmer Heinrich „Heini“ Staudinger, der in Schrems (5.496 Einwohner) die legendären Waldviertler-Schuhe herstellt. Seit er 2012 zur Staatsaffäre geriet, ist er zur Symbolfigur für zivilen Ungehorsam geworden und kann sich nun vor Aufträgen kaum retten. Weil ihm seine Bank keinen Kredit gewährte, sammelte er drei Millionen Euro von seinen Freunden und Kunden mit einer Art Crowdfunding. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hat ihn daraufhin verklagt, weil Kredite nur eine Angelegenheit von Banken sein dürfen. Den Prozess verlor er, doch durch den Fall wurde in Österreich erstmals über Crowdfunding diskutiert und seit 2015 gibt es das Alternativfinanzierungsgesetz. Das geschah mitten während der Dreharbeiten zum Film Das Leben ist keine Generalprobe. Die 2016 erschienene Dokumentation zeigt einen ungewöhnlichen Unternehmer, der morgens nackt im Teich badet, mittags Unterstützungen für alleinerziehende Mütter ausklügelt und nachmittags mit dem Wirtschaftsminister Klartext redet.

Eine schöne Anregung gibt auch der aktuelle Wettbewerb Menschen und Erfolge – Ländliche Räume: produktiv und innovativ. Bis zum 14. November 2016 werden vom Umweltbundesministerium noch Beiträge gesucht, die eine innovative Geschäftsidee in einer ländlich geprägten Region umsetzen, auf lokale Ressourcen und Potentiale setzen oder leerstehende Gebäude für Existenzgründer umnutzen. Auch der Text der Wettbewerbs-Auslobung ist lesenswert.


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Landarzt der Zukunft

In Fernsehserien wird er romantisiert, doch im wahren Leben scheint er auszusterben. Viele Hausärzte kommen zügig ins Rentenalter, finden aber für ihre Praxis keinen Nachfolger, ist im Ärztemonitor der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nachzulesen. Und laut einer Umfrage des Hartmannbundes vom August 2015 würden sich nur neun Prozent der Medizinstudenten gerne in ländlichen Gebieten niederzulassen.

Dabei gibt es in Deutschland eigentlich genügend praktizierende Ärzte: 2015 waren es rund 371.300. Die Ärztedichte liegt damit bei 3,8 Allgemein- und Fachärzten pro 10.000 Einwohnern, was im Vergleich zu den anderen Industrieländern im oberen Drittel liegt. Doch bei der Verteilung der Praxen gibt es ein großes Stadt-Land-Gefälle: Sehr viele Ärzte arbeiten in den Städten, während es auf dem Land an Medizinern mangelt. Laut Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung weicht trotz der neuen Bedarfsplanung von 2013 in 53,6 Prozent aller Landkreise die Hausarztdichte vom Bedarf ab. Warum also will niemand mehr auf dem Dorf praktizieren?

Auf die richtige Spur weist der Mediziner Prof. Ferdinand M. Gerlach, der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, im Länderreport des Deutschlandfunks vom 8.6.2015: „Sowohl die jungen Ärztinnen als auch die jungen Ärzte wollen vermehrt eher angestellt tätig sein, als sich selbständig als Kleinunternehmer zu betätigen. Sie wollen gerade am Anfang eher Teilzeit arbeiten. Sie wollen lieber im Team arbeiten, und sie wollen die Familie und den Beruf, Arbeit und Freizeit in ein Gleichgewicht bringen, und das ist in der typischen Einzelkämpfer-Praxis des Landarztes weniger denn je der Fall, und deshalb ist es gerade für diese Kolleginnen und Kollegen besonders schwierig, Nachfolger zu finden.“

Rezepte gegen die Mangelware Landarzt liegen daher in innovativen Gesundheitsmodellen, die auf eine regionale Zusammenarbeit der Ärzte, Gemeinden und anderer Akteure im Gesundheitswesen setzen und dazu beispielsweise Ärzte- und Gesundheitsnetze, Gesundheitskonferenzen und -regionen initiieren. Und die sich eben flexibel an den Bedürfnissen der nachrückenden Ärztegenerationen orientieren: Statt traditioneller Einzelpraxis sind lokale Gesundheitszentren in Form von Praxisgemeinschaften, Gemeinschaftspraxen oder Medizinischen Versorgungszentren das favorisierte Arbeitsmodell, wo die Ärzte angestellt oder freiberuflich arbeiten können. Auch die Kommunen können hier wichtige Voraussetzungen schaffen und mit einer guten Infrastruktur, einer flexiblen Kinderbetreuung, einer kostenfreien Bereitstellung von Praxisräumen oder einem Arbeitsplatz für den Lebenspartner um Frau Doktor werben – denn der Hausarzt der Zukunft ist in der Mehrzahl weiblich: Zwei Drittel der Studienanfänger sind inzwischen Frauen. Die Gemeinde Büsum (4.733 Einwohner) direkt an der Nordseeküste ging noch einen Schritt weiter und hat vier Ärzte und zwei Ärztinnen gleich selbst eingestellt. Aus fünf zuvor selbstständig arbeitenden Hausarztpraxen entstand so 2015 die bundesweit erste kommunal geführte Gemeinschaftspraxis als Ärztezentrum Büsum gGmbH. Damit trägt die Gemeinde auch das wirtschaftliche Risiko des Praxisbetriebs. Die Geschäftsführung übernimmt die Ärztegenossenschaft Nord und die Ärzte sind am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.

Wie man angehende Ärzte für das Leben und Arbeiten auf dem Land begeistern kann, zeigen die Landarztmacher im Bayerischen Wald mit ihrem vielseitigem Fortbildungsprojekt „Exzellent“. Bei Hausärzten in der Region Arberland (Landkreis Regen) können Medizinstudenten aus ganz Deutschland ein vierwöchiges Praktikum absolvieren und so ihr Wissen aus dem Studium in der Praxis anwenden. Die Stärken der Landartzmacher liegen in der individuellen Förderung und Betreuung der Teilnehmer und darin, dass sie ein positives Rollenbild vom Arztsein auf Land vermittelt bekommen: „Man lernt Verantwortung zu übernehmen. Man darf mitdenken. Man darf Kommentare abgeben, was auch nicht immer Standard ist bei einer starken medizinischen Hierarchie und dadurch profitiere ich sehr viel,“ hat ein Teilnehmer im Donau TV als Rückmeldung zum Projekt gegeben.

Um Patienten zu versorgen, die regelmäßige Betreuung und Überwachung benötigen, aber nicht mehr mobil genug sind, um in die Praxis zu kommen, bieten sich mobile Versorgungskonzepte an. In fast allen Bundesländern gibt es mittlerweile das „Gemeindeschwester-Modell“, bei dem die Mitarbeiter des Praxis oder freiberufliche Fachkräfte als NäPA (nichtärztliche Praxisassistentin), VerAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) oder EVA (Entlastende Versorgungsassistentin) im Einsatz sind, den Hausarzt entlasten und selbstständig die Patienten zu Hause aufsuchen. Vorbild ist das Modell AGnES (Arztentlastende Gemeinde-nahe E-Health-gestützte Systemische Intervention), das 2004 vom Institut für Community Medicine an der Universität Greifswald entwickelt und erstmals auf Rügen erprobt wurde. „Schwester Agnes“ war ein beliebter DDR-Fernsehfilm in den 70er Jahren und wird in den neuen Bundesländern mit der mobilen Gemeindeschwester assoziiert. Diese war tatsächlich von der DDR-Gesundheitspolitik erfunden worden, um den krassen Ärztemangel abzufedern, der unter anderem durch die Flucht vieler Ärzte gen Westen Ende der 1950er-Jahre entstanden war. Auf ihrer Simson Schwalbe knatterte die Gemeindeschwester von Hausbesuch zu Hausbesuch über die Dörfer und bildete so das Bindeglied zwischen Patient und Landarzt, der damals im Landambulatorium angestellt war. Das funktionierte wie eine kleine Poliklinik und war das Zentrum für die dörfliche medizinische Betreuung.

Naheliegend ist auch die Idee, dass der Arzt-Bus ähnlich wie beim Sparkassenbus oder dem mobilen Bürgerbüro ins Dorf kommt. Innovative Ansätze wie die rollende Zahnarztpraxis in der Uckermark oder die rollende Arztpraxis im Landkreis Wolfenbüttel stoßen aber auf rechtliche Hürden und Widerstände, weil Ärzte und Zahnärzte nicht zur „fahrenden Zunft“ gehören dürfen und deshalb Ausnahmegenehmigungen benötigen. Das Pilotprojekt in Wolfenbüttel wurde nach seinem Auslaufen Ende 2014 auch nicht weiter geführt.


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Was ist ein gutes Netzwerk?

Nicht nur durch die Globalisierung und das Internet ist unsere Welt komplexer und dynamischer geworden. Langfristige Vorhersagen werden immer schwieriger und mit fertigen Konzepten lässt sich immer weniger arbeiten. Jedoch werden die Bereitschaft zu teilen und die Fähigkeit zur Kooperation immer wichtiger. Denn in einer vernetzten Welt ist Netzwerkbildung die einzig vernünftige Lösung, die man haben kann, lautet das Ashbysche Gesetz (Gesetz der gegengleichen Komplexität), das der britische Kybernetik-Pionier William Ross Ashby bereits in den 1950er Jahren formulierte.

Auch für die Entwicklung einer Region sind Netzwerke „…zentral, denn Regionalentwicklung heisst: zusammen denken, zusammen planen, zusammen realisieren und zusammen wachsen!“, was der Regionalmanager Maurizio Michael schön im Praxisblatt der Neuen Regionalpolitik der Schweiz auf den Punkt gebracht hat. Netzwerke eröffnen Regionen neue Möglichkeiten, um Akteure zu beteiligen, Innovationen zu entwickeln und regionale Wertschöpfungsketten zu schaffen.

Das Denken und Handeln in Netzwerken kennzeichnet jedoch einen neuen Ansatz: Nicht mehr einzelne Akteure und Projekte stehen im Vordergrund, sondern das Beziehungsgefüge der Akteure und damit die Region als Ganzes.

„Die Wissenschaft nennt das Synergie. Und ich glaube: Auf das kommt´s an!“, erklärt Dr. Thomas Röbke vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement in Bayern. „Man sollte nicht auf die Ordnungen schauen, man soll nicht auf die Partner unbedingt schauen, sondern auf das, was die Partner miteinander tun: Welche Beziehungen sie miteinander eingehen, welche Energie sie gegenseitig freisetzen“ (Video auf www.engagiertestadt.de, ein neues Programm zur Förderung des Bürgerengagements).

Sich gegenseitig nützlich sein und zusammenwirken funktioniert meistens nicht von alleine. Netzwerke brauchen jemanden, der sich um sie kümmert. Einen Moderator, Coach oder fachlichen Inspirator – aber keinen, der sagt, wo es langgeht: Denn in Netzwerken verläuft die Hierarchie nicht mehr von oben nach unten, sondern wird flach.

Augenhöhe statt Unterordnung lautet das Prinzip, das zur Zeit auch viele deutsche Unternehmen bewegt und das klassische Management grundlegend infrage stellt: „Wer braucht eigentlich noch einen Chef?“.

Der kürzlich verstorbene Netzwerkforscher Prof. Peter Kruse hat 2014 dazu eine Studie für das Forum Gute Führung erstellt. Die Ergebnisse der 400 Interviews mit Führungskräften aus Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen sind erstaunlich: „Hierarchisch dominierte Vorausplanungen werden mehrheitlich abgelehnt. Die Zeit des Vordenkens und Anweisens ist vorbei. Die klassische Linienhierarchie wurde zum Auslaufmodell erklärt. Die Führungskräfte prognostizieren sich selbst organisierende Netzwerke und deren kollektive Intelligenz als Organisationsform der Zukunft.“

Damit Netzwerke funktionieren und sich selbst organisieren können, brauchen sie einen klar definierten Zweck. Außerdem klare Rahmenbedingungen bzw. Regeln, damit alle Nutzwerker wissen, welchen echten Mehrwert sie erwarten können und was von ihnen erwartet wird. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist gute Kommunikation bzw. eine gute Gestaltung der Kommunikationsbeziehungen, um die Menschen zusammen zu bringen und das Geben und Nehmen möglich zu machen. Das persönliche Gespräch, echte Begegnungen und Diskussionen bleiben dafür unerlässlich, aber die digitale, intelligente Vernetzung (Regionalentwicklung 2.0) wird zunehmend wichtiger. Es muss jedoch nicht immer Facebook sein. Hier einige Tipps zu Ausprobieren:

Blog
Um für Transparenz zu sorgen und über das Netzwerk zu berichten, bieten sich Blogs an. Sie sind einfach zu führen und können von überall aktualisiert werden. Alles (Texte, Bilder, Video- und Audiodateien) kann eingefügt werden, was auch auf einer statischen Webseite möglich ist. Durch die Kommentarfunktion können Blogs zusätzlich als Kommunikationsmöglichkeit genutzt werden. Weil heutzutage Funktionalität und Einfachheit wichtiger sind als das Design, können fertige Content-Management-Systeme genutzt werden. Wer bei WordPress.com eine kostenlose Webseite einrichtet, kann sofort loslegen. Alternativ gibt es eine kostenlose, freie WordPress-Version auch bei WordPress.org, was jedoch aufwendiger ist, weil man sich um den Kauf einer Domain mit Webspace und Datenbank kümmern muss.

Newsletter
Die E-Mail wird meist stiefmütterlich behandelt. Doch weil eigentlich jeder eine E-Mail-Adresse hat, kann man damit alle Netzwerker erreichen, zu Veranstaltungen einladen und regelmäßig auf dem Laufenden halten. Bessere E-Mails gelingen mit Newsletter-Systemen, bei denen unterschiedliche Gruppen angelegt und dann separat angeschrieben werden können. Über ein Anmeldeformular können zusätzlich neue Interessenten gewonnen werden. Bei MailChimp sind pro Monat 12.000 E-Mails an 2.000 Abonnenten kostenfrei. Alternative: CleverReach

Terminfindung
Auch Termine lassen sich miteinander abstimmen. Das bekannteste Tool ist Doodle. Der Einlader trägt verschiedene Terminoptionen ein und verschickt per Mail einen Link an alle Teilnehmer. Am Schluss steht der Termin mit den meisten Teilnehmenden fest.

Dokumentation
Für die Verwaltung von Dokumenten bieten sich File-Sharing-Dienste an, auf die alle Netzwerk-Mitglieder zu jedem Zeitpunkt zugreifen können. Wichtig ist dabei, Standards der Dokumentation zu vereinbaren, z.B. Dateiformate, Dateibennungen, Ordnerstrukturen und Freigabehierarchien. Dropbox, Google Drive oder TeamDrive

Dokumentenmanagement
Um zusammen Dokumente zu erarbeiten oder Rückmeldungen einzuarbeiten, ist es nicht mehr notwendig, die unterschiedlichen Versionen per E-Mail hin- und herzuschicken. Mit Systemen für das Dokumentenmangement können mehrere Personen zeitgleich an einem Dokument arbeiten und so das Dokument korrigieren und ergänzen. Alle Überarbeitungsschritte bleiben sichtbar. Google Docs oder Etherpad

Arbeitsorganisation
Auch das dezentrale Arbeiten an Projekten ist für Netzwerkmitglieder praktisch. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Projektmanagementplattformen. Gemeinsam kann festgehalten werden, welche Aufgaben anstehen, bis wann und von wem sie zu erledigen sind oder welchen Status der Bearbeitung sie haben. Trello, Basecamp oder neu: Agantty

Umfragen
Um Anregungen und Ideen für gemeinsame Projekte zu gewinnen, können Umfragen hilfreich sein. Bei tricider können alle ihr Ideen eintragen, aber auch die Ideen von anderen bewerten und kommentieren, sodass am Ende ein komplexes Stimmungsbild entsteht. Detaillierte Fragebögen, die man auch zur Evaluierung von Netzwerkprozessen und -erfolgen nutzen kann, können bei Polldaddy oder SurveyMonkey online erstellt, abgefragt und ausgewertet werden.


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Das kreative Zentrum

Durch die voranschreitende digitale Vernetzung der ländlichen Räume und die steigenden Mieten in den Großstädten ergeben sich Chancen, kreative Menschen anzulocken und ein kreatives Zentrum im Dorf einzurichten.

Zwar hinkt Deutschland beim Breitbandausbau noch hinterher und das Internet tropft in vielen Regionen mit nicht mal zwei Megabit pro Sekunde aus der Leitung. Durch den LTE-Nachfolgestandard 5G könnte sich das aber bald erledigt haben. Seine Einführung ist für 2020 geplant. Bereits diese Woche werden Mobilfunkfrequenzen versteigert, mit denen das schnelle Internet auch in ländlichen Gebieten ausgebaut wird. Später können diese 700-Megahertz-Frequenzen dann vom 5G-Standard genutzt werden.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in den letzten Jahren zum Hoffnungsträger für die moderne Stadtplanung geworden. Der britische Stadtforscher Charles Landry und der US-amerikanische Ökonom Richard Florida prägten dafür den Begriff der „Kreativen Klasse“: Männer und Frauen aus kreativen Berufen bestimmen unsere neue Wissensgesellschaft. Ihre Ideen, Inhalte, Konzepte und kreativen Lösungen beeinflussen das wirtschaftliche Wachstum. Daher bemühen sich immer mehr Städte, kreative Talente auszubilden und anzuziehen. Kreativität wird zum Standortfaktor.

„Das Klischee des hornbebrillten Designers, der auf den Straßen Berlins hängt, einen dampfenden Pappbecher in der Hand, einem oder zwei Smartphones am Ohr, unverständliches Halbenglisch faselnd, gehetzt auf dem Weg zum nächsten Thinktank, zeigt in die falsche Richtung“,

betonen hingegen Sylvia Hustedt und Johannes Tomm in ihrem Handbuch zum Modellprojekt Ideenlotsen Metropole Nordwest 2012-2013, einem norddeutschen Kooperationsraum mit Bremen und Teilen Niedersachsens. Denn in der wirklichen Welt findet Kultur- und Kreativwirtschaft auch außerhalb der urbanen Ballungsräume statt –  man muss im ländlichen Raum einfach nur genauer hinsehen.

Gerade auf dem Land benötigen Kultur- und Kreativschaffende Vernetzung und Sichtbarmachung, teilweise auch Unterstützung bei der Schärfung ihres Geschäftsmodells (Unterschied zwischen Auftrags- und Produzentenlogik: Bei der ersten wartetet der Kreativunternehmer auf Anrufe – bei der zweiten erschafft er ein einzigartiges Angebot, macht auf sich aufmerksam und nimmt so seine Arbeit in die eigene Hand).

Anderseits sind Künstler und Kreative ein Image- und Wirtschaftsfaktor. Sie können neue Impulse für Projekte geben, Kultur und Kreativdienstleistungen für die Gemeinden schaffen, alte Gebäude und Scheunen wieder mit Leben füllen und den Tourismus aufwerten. Beispielsweise in der Eifel, wo der Boom der Regionalkrimis für neues Selbstbewusstsein in Deutschlands Krimi-Landschaft Nr. 1 sorgte. Oder im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, wo aufgrund der Nähe zu München und den dortigen TV-Sendern und Filmstudios ein Filmbüro zur Vermittlung der Locations eingerichtet wird.

Das 2012 in Österreich entstandene Projekt Zukunftsorte hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen Kreativunternehmen und ländlichen Gemeinden voran zu treiben. Eine der aktuell neun beteiligten innovativen Gemeinden ist Strengberg (1.993 Einwohner) im Mostviertel in Niederösterreich. Im dortigen denkmalgeschützten Gemeindeamt sind im April 2014 in zuvor leer stehenden Räumlichkeiten die PostSudios als erster ländlicher Coworking Space eingerichtet worden. Co-Working ist eine neue Form gemeinschaftlichen Arbeitens, bei der sich Kreative, Freiberufler, Startups und kleine Firmen einen gemeinsamen Arbeitsplatz teilen. Die Vorteile liegen in der Flexibilität, der finanziellen Entlastung und dem produktiven Austausch untereinander. Coworking Spaces haben daher die Funktion eines kreativen Zentrums (kreative Location), das der oben erwähnte Richard Florida ebenso wie Cafés und öffentliche Räume zu den immer wichtiger werdenden „dritten Orten“ zählt – neben dem privaten Raum (erster Ort) und dem Arbeitsort (zweiter Ort). Die Gesamtmiete pro Büroarbeitsplatz beträgt in den PostStudios 190 Euro pro Monat. Sieben feste und zwei temporäre Arbeitsplätze inklusive Multimedia- und Besprechungsraum stehen zur Verfügung.

Nachahmenswert wäre auch das sogenannte Kommunalkonsulat, das die österreichischen Zukunftsorte im Juni 2014 als ständige Vertretung in der Bundeshauptstadt Wien eingerichtet haben. Das Kommunalkonsulat fungiert als Austausch- und Vernetzungsstelle, gibt Impulse für zukunftsfähige Gemeindeentwicklung und hält Kontakt zu „Ausheimischen“, die für Ausbildung oder Beruf nach Wien gezogen sind.


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